PERSÖNLICH – KRISTINA SCHOU MADSEN

Kristina

Kristina Schou Madsen, 28 Jahre alt und aus Dänemark, ist schon immer sportbegeistert gewesen. Doch dass sie einmal am Mount Everest Marathon, dem höchsten Marathon der Welt teilnehmen wird und diesen als zweite nicht nepalesischen Frauen absolviert, hatte sie selbst nicht gedacht. Schon früh hatte sie ein ausgeprägtes Interesse für das Fußballspielen, musste ihren Lieblingssport aber aufgrund einer Fußverletzung aufgeben. Zum Ausgleich fing sie das Laufen an. Seit ihrem ersten Langstreckenlauf 2008 hat sie inzwischen insgesamt 15 Marathons hinter sich gebracht. Doch der aktiven Sportlerin waren die Laufstrecken in der Stadt und auf dem flachen Land nicht genug. Bald suchte sie nach neuen Herausforderungen - und befand sich schon kurze Zeit später in Nepal wieder.

Wie bist Du darauf gekommen, den höchsten Marathon der Welt zu laufen?

Nach meinen ersten Marathons hat mich das Lauffieber gepackt und es hat mich immer mehr fasziniert auch in der freien Natur zu laufen. Also habe ich nach einer neuen Herausforderung gesucht und bin im Internet auf den Everest Marathon gestoßen. Der höchste Marathon der Welt! Ich war sofort begeistert und wollte mich anmelden. Ich hatte Riesenglück: eigentlich war der Lauf schon ausgebucht aber 10 Wochen vor dem Rennen hat eine andere Person abgesagt. Auf einmal war ich dabei!

Wie hast Du Dich auf dieses extreme Rennen vorbereitet?

Direkt nach der Zusage bin ich nach Nepal gereist. Was zunächst eigentlich als ein Wanderurlaub geplant war, wurde nun zu einem Trainingslager. Fünf Wochen lang bin ich durch den Himalaja gewandert. So viele Stunden am Stück zu wandern war ein ziemliches Abenteuer, hat mich aber fit gemacht. Das wichtigste war, mich auf das Laufen in großen Höhen vorzubereiten. Deshalb habe ich vor allem darauf trainiert, möglichst schnell bergauf und bergab zu laufen. Dafür ist mein Heimatland leider ziemlich ungeeignet, der höchste „Berg“ ist nur 170 Meter hoch.

Darüber hinaus habe ich sieben Tage die Woche Sport gemacht, drei bis sechs Stunden täglich: Mountainbiking, Rennen, Raften und Kayak fahren.

Wie viel und welchen Sport machst Du normalerweise?

Ich laufe jede Woche ca. 60 Kilometer und absolviere eine Menge Zirkeltraining. Auch Boxen und Mountainbiking stehen immer auf dem Programm. Ich habe eigentlich schon immer täglich Sport gemacht, ich brauche das einfach! Und ich habe großes Glück, da ich an einer Sportschule arbeite. So kann immer neue Sachen ausprobieren und bin von jungen, sportbegeisterten Menschen umgeben, die meine Leidenschaft teilen.

Okay, also warst Du körperlich schon fit. Wie hast Du Dich mental auf den Everest Marathon vorbereitet?

Direkt nachdem ich die Zusage bekam, schoss mir durch den Kopf „was habe ich mir nur dabei gedacht!“ Auch meine Mutter war zunächst schockiert. Dann kam in Nepal auch noch eine Magenverstimmung dazu, welche mir wichtige Kraft geraubt hat. Ich habe immer versucht, keine zu großen Erwartungen an mich selbst zu stellen und mich mental darauf vorbereitet, eventuell als letzte ins Ziel zu kommen. Das war für mich eine echte Herausforderung.

Vor dem eigentlichen Marathon musstest Du erst einen Wahnsinns Aufstieg bewältigen. Erzähl uns davon.

Ja, 15 Tage vor dem eigentlichen Rennen mussten wir einmal zum Gorak Shep auf 5.184 Metern und einmal zum Basecamp auf 5.364 Metern aufsteigen. Wir haben unterwegs in Zelten übernachtet, was mir schon mal großen Respekt einflößte. Insgesamt hatte der Lauf 75 Teilnehmer, 20 davon Einheimische, welche die Höhenluft gewohnt waren. Ich war während des ersten Aufstiegs mit einer Gruppe von sieben anderen Dänen unterwegs. Von denen war ich die einzige, die den Goral Shep erreichte. Einer nach dem anderen musste aufgeben, da sie die Höhenkrankheit bekamen. Zwei mussten sogar mit dem Hubschrauber zurück geflogen werden. Das hätte ich nie gedacht und es hat mir ein bisschen Angst gemacht.

KRISTINA SCHOU MADSEN 01

KRISTINA SCHOU MADSEN 02

Welchen Bedingungen warst Du ausgesetzt und was hast Du bei Dir gehabt?

Eine von vielen Herausforderungen war, dass das Rennen bei etwa minus 10 Grad startete und im Ziel ungefähr 22 Grad herrschten. Am Start hatte ich drei Schichten an, unterwäsche, eine dünne Schicht darüber und eine wetterfeste Jacke. Ich trug sehr gute Schuhe und einen Rucksack mit integrierter Trinkblase. Die ersten Kilometer war es so kalt, dass ich den Wasserschlauch ganz nah am Körper tragen musste, damit das Wasser im Schlauch nicht gefror. Um zu trinken musste ich alle meine Oberteile öffnen.

Erzähl uns vom Rennen; wie war es und was ging Dir durch den Kopf?

Am Start wurden wir in kleine Gruppen eingeteilt, die sich aber nach etwa 15 km langsam auflösten. Ich hatte relativ schnell ein gutes Tempo gefunden, konnte es aufgrund der unterschiedlichen Untergründe und des Auf und Ab überhaupt nicht einschätzen. Ich versuchte den Lauf und die einmalige Umgebung so gut es geht zu genießen, aber um ehrlich zu sein, war der Lauf herausfordernd. Je nach Untergrund musste man sich sehr konzentrieren um nicht weg zu rutschen oder um zu knicken. Auch beim Bergauf laufen musste man ziemlich aufpassen, dass man nicht zu schnell ist. Gerade in diesen Höhen ist der Sauerstoffgehalt sehr gering und mein Körper schrie förmlich nach mehr Sauerstoff.

An der dritten Servicestation sagte man mir dann, ich wäre die erste Frau! Das konnte ich überhaupt nicht glauben. An der vierten Station sagten sie dann ich wäre die zweite Frau im Feld. Das gab mir einen Schub und genug Motivation, an das Ziel zu glauben.

as war das Erste an das Du beim Überqueren der Ziellinie denken musstest?

Ich war fix und fertig und vollkommen überwältig. Ich konnte nicht glauben, dass ich es nicht nur geschafft hatte, sondern auch als zweite Frau und als vierte insgesamt (Nicht-Nepalesin) ins Ziel zu kommen.

Beeindruckend. Wie war es, wieder ins flache Dänemark zu kommen?

Es war sehr hart. Die ersten Tage freut man sich noch über die vielen Annehmlichkeiten, wie trinkbares Wasser. Aber sobald man das als selbstverständlich ansieht und einen die Routine wieder einholt, vermisst man das Abenteuer. In den Bergen wusste ich nie, was der nächste Tag bringen würde. Dieses Gefühl fehlt mir am meisten.

Was für Verrücktheiten planst Du als nächstes?

Dieses Jahr habe ich fünf Marathons geplant. Aber nach dem ich den höchsten Marathon der Welt gelaufen bin, möchte ich mal was ganz anderes ausprobieren, vielleicht in die Wüste oder doch was eisiges (lacht).

Das Interview mit Kristina fand in Kopenhagen statt.

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