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DAS ABENTEUER GEHT WEITER

23 Oct 2017

Für unsere zwei Mädels geht die Reise weiter. Es erwarten sie neue Höhen, emotionale Tiefen und körperliche Herausforderungen. Hier könnt ihr nachlesen, was die Beiden im zweiten Teil ihrer Wanderung entlang des John Muir Trails erlebt haben.

22. August • 7. Tag

Trotz der bequemen Betten und einer warmen Dusche schliefen wir unruhig im Mt. Williamson Motel. Wir konnten es kaum erwarten, dem Straßenlärm zu entfliehen und zu den uns vertrauten Geräuschen der fließenden Bäche, singender Vögel und dem Knirschen der Steine unter unseren Füßen zurückzukehren. Um 8.30 Uhr machten wir uns mit einem Lächeln im Herzen und frisch gewaschenen Haaren auf dem Kopf auf den Weg zum Kearsarge Pass, der uns wieder auf den JMT zurückführen sollte.

Nach ungefähr 5 Stunden hatten wir genug Weg für den Tag zurückgelegt und ließen uns an einem kleinen See in über 3.400 m Höhe ungefähr 1,6 km vom Glen Pass entfernt nieder. Wir verbrachten den Nachmittag mit Yogaübungen auf unseren Isomatten (unsere Yogamatten hatten in unserem minimalistischen Gepäck leider keinen Platz mehr gefunden), badeten im See und planten unsere Route für die nächsten paar Tage.

In gewisser Hinsicht fühlte es sich an, als hätten wir unsere Wanderung gerade erst begonnen. Dank des Neumondes und der Finsternis, die hinter uns lag, fühlten wir uns leichter, als wenn ein Neubeginn vor uns lag. Wir waren bereit für das, was uns in den nächsten zwei Wochen erwarten sollte.

23. August • 8. Tag

Mittlerweile haben wir eine eingespielte Morgenroutine - Kaffee, Toilettengang, Frühstück, in der Sonne aufwärmen, packen - und um ungefähr 9 Uhr waren wir dann wieder auf dem Weg.

Heute sind wir die bis jetzt längste Strecke gewandert - fast 22,5 km. Unterwegs sahen wir kleine Seen von geschmolzenem Gletscherwasser, die sich auf dem glitzernden Eis sammelten. Blaue Seen und smaragdgrüne Inseln dehnten sich vor uns aus, während klare Wildwasserströme über riesige Gesteinsplatten aus marmoriertem Granit flossen. Wir sahen Schmetterlinge, Schneebrücken und sogar einen Bär. Wir erreichten unser Lager erst um 19 Uhr. Wir bauten unser Zelt auf, kämpften mit den Mückenschwärmen und erwärmten uns mit einer warmen Speise, bevor wie erschöpft aber zufrieden einschliefen.

24. August • 9. Tag

Mit jedem Tag fühlen wir uns mehr und mehr als Teil der Natur. Wir sehen uns in den rieselnden Gewässern wieder, in den Hängen, in den von Flechten bedeckten Felsen und den tieffliegenden Spatzen. Wir haben unsere Köpfe vom Ballast des städtischen Lebens befreit und füllen sie stattdessen mit Bewunderung und Klarheit.

Bergab sahen wir mindestens ein Dutzend Arbeiter, die unermüdlich an der Aufrechterhaltung des Wanderweges arbeiteten. Ihre Gesichter waren von der Arbeit schmutzig und von der Sonne gebräunt. Ihre starken Arme und Beine zeugten von ihrem Leben in der Natur und einem Sommer voller Arbeit. Wir waren dankbar für ihre Mühe und bewunderten ihren Einsatz.

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Wir schlugen unser Lager an einem wunderschönen Platz in der Nähe eines Baches zwischen ein paar Felsen und neben einem netten Mann namens Michael auf. Morgen ist ein neuer Tag, ein neuer Pass - Mather.

25. August • 10. Tag

Heute Morgen waren unser Zelt und unsere Gliedmaßen gleichermaßen gefroren. Wir warteten bis die Sonne über die Berge kam und wanderten dann die verbleibenden 6,5 km zum Mather Pass. Er sah aus der Ferne sehr einschüchternd aus, aber es stellte sich heraus, dass er eher sanft und angenehm war. Wir stiegen die sogenannte Goldene Treppe herab, eine beeindruckende Reihe von Serpentinen, die zum Palisade Creek führen. Die Aussicht von der Goldenen Treppe war atemberaubend und wir werden sie nie vergessen.

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Uns war klar gewesen, dass es eine Weile dauern würde, uns an die Berge zu gewöhnen - die Höhe, die weiten Entfernungen, die dehydrierten Lebensmittel, die schweren Rucksäcke - aber wir hatten nicht bedacht, wie lange es dauern würde, uns aneinander zu gewöhnen. Wir hatten das Gefühl, dass wir uns in LA nicht genügend Zeit genommen hatten, uns wirklich kennenzulernen und unsere gemeinsame Zeit in den Bergen war sehr intensiv.

Manchmal kann der Weg zum wahren Test werden. Während wir versuchten unter schwierigen Bedingungen auf uns selbst und den anderen aufzupassen, kam es auch manchmal zum Streit. An diesem Abend gingen wir schlafen, ohne uns auch nur Gute Nacht zu sagen.

26. August • 11. Tag

Letzten Nacht haben wir 12 Stunden geschlafen. Die langen, heißen Tage und Wanderungen von 6 - 10 Stunden haben ihr Tribut gefordert. Ein neuer Tag bringt neue Herausforderungen.

Zum Glück munterte uns die Anwesenheit unserer Mitwanderer auf. Da ist Shelley aus Minnesota, die jeden Morgen um 5 Uhr aufsteht, um ihren Wandertag zu beginnen; Jo, eine alleinreisende Wanderin, die vorhat, den Trail in 15 Tagen zu absolvieren; Marie und Strider vom Mt. Williamson Motel, die uns vom Ausgangspunkt des Trails abgeholt und wieder abgesetzt, unsere Wäsche gewaschen, uns mit Halsketten gesegnet und uns mit frischen Pfirsichen und Empfehlungen für Campingplätze wieder auf den Weg geschickt haben; Michael, ein Beatmungsspezialist aus Reno, der die Sierras seit 25 Jahren erkundet; da sind Callie und Stephen, ein Paar aus Wisconsin, die nach Vollendung des JMT nach Rumänien gehen wollen und die uns jeden Tag immer wieder über den Weg laufen; Brian, der an einem einzigen Tag fast 26 km gewandert ist, um an dem gleichen Fels zu campen, an dem er 20 Jahre zuvor mit seinem Vater sein Lager aufgeschlagen hatte; da ist Tim, der die Spitze des Mother Pass ohne scheinbare Anstrengungen erklommen hatte und aussah als wenn er direkt vom Set von Fear and Loathing in Las Vegas entsprungen wäre, während er uns von seinen glorreichen Tagen erzählte, in denen er die Berge des Yosemites mit Jim „The Bird“ Birdwell erklettert hatte und da ist LaVon, eine über 70 Jahre alte Frau, die die kleinsten Schritte macht, die man jemals gesehen hat. Als wir Richtung Onion Valley wanderten, um unsere Vorräte nachzufüllen, ging sie in die entgegengesetzte Richtung zurück zum Kearsarge Pass, der wieder auf den JMT führt. Einige Tage später trafen wir sie wieder, als wir auf dem Weg zum Pinchot Pass waren. Zu dritt trafen wir auf den Bär, der unseren Weg kreuzte. Zudem gibt es zahlreiche andere Wanderer, die uns freundlich grüßen, uns ermutigen, ein Stück mit uns zusammen gehen, ihr Lager und auch ihr Insektenspray mit uns teilen und uns die Tage etwas leichter machen.

Von Deer Meadow ging es weiter abwärts zum Le Conte Valley. Vor 15 Jahren hatte ein Waldbrand in dem Tal getobt und die verkohlten Überreste der Bäume sind noch heute zu sehen. Es fühlte sich an wie auf einem Friedhof, obwohl sich neues Wachstum durchkämpft, was gleichzeitig ein Gefühl von Vitalität erzeugte.

Nach unserer Wanderung durch das Tal, ging es wieder bergauf bis wir in 3.200 m einen perfekten Restplatz neben einem Wasserfall, unter einem vom Mond erleuchteten, perfekten Sternenhimmel fanden. Justyna hielt den Sternenhimmel auf ihrer Kamera fest, während die Berge sich im Hintergrund gegen die dunkle Nacht abhoben. Morgen stellen wir uns dem Muir Pass, dem höchsten verbleibenden Gipfel unserer Reise. Danach folgt der Abstieg ins Evolution Basin.

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27. August • 12. Tag

Wir kommen langsamer voran als wir gedacht hatten und müssen daher unsere Mahlzeiten, unser Salz, Whisky, Schokolade, Seife, Sonnenschutz und andere Kleinigkeiten genau einteilen, damit wir bis zum nächsten Versorgungspunkt an der Muir Trail Ranch genug Verpflegung haben.

Aber wir sind nicht in Eile. Diese Erfahrung ist zu kostbar. Wir haben uns nicht unter Druck gesetzt und unsere Freundschaft hat sich zu einem starken Band entwickelt.

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Der Aufstieg und die Aussicht vom Muir Pass waren atemberaubend. Schneeverhangene Wasserfälle, vereiste Brücken, unberührte stille Seen umringten uns und führten uns in eine ruhige Landschaft, geprägt von Felsen, Wasserfällen und endlosen Weiten. Wir reduzierten unser Tempo, da Justyna krank war und auch um die spektakuläre Landschaft genießen zu können. Wir wanderten durch das Evolution Basin und kamen in den McClue Meadows an, wo wir versuchten den atemberaubenden Sonnenuntergang über dem Fluss mit unseren Kameras festzuhalten. Wieder waren wir dankbar, diese Reise unternehmen zu können.

28. August • 13. Tag

Wir schleppten uns die verbleibenden fast 18 km von McClure Meadows zur Muir Trail Ranch, wo wir unsere Vorräte auffüllen und Kontakt nach Hause aufnehmen konnten. Hier versorgten wir uns mit einigen Leckerbissen - Chocolate Peanut Butter Cups! Lavendelseife! Nährhefe! Kürbiskerne! Toilettenpapier! Nun erkannten wir erst, wie sehr uns diese Luxusgüter gefehlt hatten. Es war äußerst unterhaltsam, die anderen Wanderer dabei zu beobachten, wie sie die Kisten mit zurückgelassenen Kostbarkeiten durchforsteten und sich über ihre Funde freuten. Wir schlugen unser Lager ungefähr einen knappen Kilometer entfernt auf, als es plötzlich anfing in Strömen zu regnen. Der erdbeerfarbene Himmel tauchte das Wasser und sogar die Steine in ein tiefes Rot.

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Wir werden morgen unser Bestes versuchen, Nachrichten an unsere Freunde, Verwandten und Sponsoren zu schicken.

29. August • 14. Tag

Wir hingen auf dem Campingplatz herum, wuschen unsere Wäsche, tranken mehrere Tassen Kaffee, praktizierten ein wenig Yoga und verbrachten die restliche Zeit mit schreiben und lesen. Sonne und Regen wechselten sich ab und wir brachten die Wäsche rein und hingen sie im Zelt auf, nur um sie wenig später wieder draußen aufzuhängen, bis der nächste Schauer uns zwang, die Wäsche wieder rein zu holen.

Zur heißesten Zeit des Tages machten wir uns nach Sallie Keyes Lake auf, wo man einen guten Handyempfang haben soll. Unsere frisch aufgefüllten Rucksäcke waren schwer. Der steile Anstieg zum John Muir Trail war ermüdend, aber zum Glück wussten wir, dass der Weg nicht weit war und dass wir uns am Ziel mit einem Kakao, Tee oder Matcha belohnen konnten. Wir erreichten unser Ziel zum Sonnenuntergang, aber leider hatten wir noch keinen Handyempfang. Wir versuchen es morgen wieder.

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