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MID-WAY MUSINGS WITH LOVE FROM THE JOHN MUIR TRAIL

9 Nov 2017

Erikas Gedanken vom 22.-30. August:

Meine Tage beginnen normalerweise zum Klang des Metronoms, das meine Ashtanga-Yogaübungen begleitet. Die tägliche Meditation gibt mir Stabilität und das Tempo und den Ton für meinen Tag an.

Hier draußen in der Natur geben die Berge den Rhythmus an.

Auf meiner Yogamatte atme ich tief ein, während ich meine Arme nach oben führe, beim Ausatmen kippe ich meinen Oberkörper nach vorne, ich atme ein und hebe meinen Kopf leicht an um den Blick nach vorne zu richten, ich atme aus und springe mit beiden Beinen zurück, beim Einatmen begebe ich mich in die Position des aufschauenden Hundes, dann atme ich aus und gehe in die Position des herabschauenden Hundes.

In den Bergen atmen wir beim Aufstieg ein und beim Abstieg wieder aus; wir stehen mit dem Sonnenaufgang auf und gehen mit dem Sonnenuntergang schlafen; wir bauen unser Lager auf und bauen es wieder ab; wir waschen unsere Wäsche im Fluss und trocknen sie am Ufer; wir ziehen uns bei Regen in unser Zelt zurück und kommen bei Sonnenschein wieder raus; und dieser Rhythmus gibt uns Stabilität.

Das Erwandern dieser Berge ähnelt den Yogaübungen sehr. Es ist Training. Wir üben uns darin Unbequemlichkeiten und Herausforderungen zu überkommen, so dass wir für den Ernstfall vorbereitet sind. So bestehen wir die Höhen und Tiefen des Lebens.

Das verschafft uns nicht nur innerliche Ruhe, sondern macht uns mental und körperlich stärker.

In diesem Sinne bin ich auf die Höhen und Tiefen, die die nächste Woche zweifelslos mit sich bringen wird, vorbereitet. Sei es das Gelände, die Beziehung zwischen Justy und mir, meine eigenen Gefühle oder das Wetter - ich weiß, dass ich damit umgehen kann. Dafür habe ich trainiert.

JustynaJaworskaPhotography 8310032

Justynas Gedanken vom 22.-30. August:

Bevor wir letzte Woche Independence verlassen haben, hatte ich noch ein paar Mal mit meinem Partner Wojtek gesprochen, aber seitdem nicht mehr. Das ist der schwierigste Teil dieser Reise. Wir sind daran gewöhnt, voneinander getrennt zu sein, aber wir telefonieren täglich morgens und abends miteinander. Jetzt weiß ich nicht einmal, wie viele Tage vergangen sind, seitdem ich das letzte Mal mit ihm gesprochen habe oder welcher Wochentag heute überhaupt ist. Als wir das letzte Mal telefoniert haben, haben wir unsere bevorstehende Wanderung durch Yosemite geplant. Auf die werden wir uns begeben, sobald Erika und ich das Ziel unser Wanderung erreicht haben. Dafür wollen wir uns 6 Wochen Zeit nehmen. Wojtek trainiert seit über einem Jahr dafür. Ich bewundere sein Engagement und ehrliche Einstellung zum Klettern. Er erwähnte Ron Kauk und seine Worte: „Erweitere deinen Geist, nicht dein Ego.“

Auf der Spitze von Mt. Witney hörte ich einige Leute sagen, dass sie die größten Menschen Amerikas seien. Ich musste daran denken, wie unterschiedlich Menschen mit Herausforderungen umgehen. Eine Herausforderung zu meistern gibt einigen Menschen das Gefühl, etwas Besonderes zu sein, aber man kann unterwegs so viel verpassen, wenn man sich nur darauf konzentriert, das Ziel zu erreichen. Orte wir diese hier geben uns die Möglichkeit unsere Umgebung zu entdecken, zu erkunden und vor allem schätzen zu lernen.

Auf dem Mather Pass begegneten wir einem alten Mann, der sofort begann, uns Geschichten zu erzählen. Er war dabei, als die Legende Yosemite ins Leben gerufen worden war und ist mit einigen der besten Kletterer seiner Zeit geklettert. In diesem Moment wurde mir klar, dass ich die Verwirklichung meiner Träume nicht aufschieben will. Für mich war er ein Zeichen. Der alte Mann sollte mich daran erinnern. Er schaute mir direkt in die Augen und sagte: „Diese Berge sind lebendig und sie sehen dich in genau diesem Moment.“ Und mir war klar, dass er recht hatte. Genau das hatte ich immer gefühlt. Einige Leute denken vielleicht, dass das verrückt ist, aber für mich macht es Sinn.

Ich fühle mich mehr und mehr mit der Natur verbunden. Meine Sinne sind geschärft. Ich wasche mich jeden Tag in dem eisig kalten Wasser der Flüsse und Seen und das reicht mir. In den zwei vergangen Wochen, habe ich mein Gesicht nur ein paar Mal gesehen, als wir in Independence übernachtet haben. Ich habe keinen Spiegel dabei und das stört mich auch nicht.

Ich fühle mich befreit und das fühlt sich verdammt gut an. Die Hälfte unserer Reise ist geschafft. 10 Tage liegen noch vor uns. Ich habe schon neue Pläne geschmiedet - Patagonia erscheint mir ein passendes Ziel für mein nächstes Abenteuer.

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