#INPERSON - CASPER ORTVALD

INPERSON CASPER ORTVALD header

CASPER ORTVALD IST LEIDENSCHAFTLICHER MOUNTAIN-BIKER. DAS WAR NICHT IMMER SO. INZWISCHEN TRAINIERT ER TÄGLICH UND WIRD IM SOMMER SEINE BISHER GRÖSSTES ABENTEUER STARTEN UND DIE "GREAT DIVIDE MOUNTAIN BIKE ROUTE" VON KANADA BIS MEXIKO FAHREN

Casper Ortvald aus Kopenhagen ist verheiratet, arbeitet in einem Fahrradladen und wird schon bald die weltlängste, nicht asphaltierte Fahrradroute von Kanada über die Kontinentale Wasserscheide hinaus nach Mexiko bezwingen: Die „Great Divide Mountain Bike Route“. Vor sieben bis acht Jahren entdeckte Casper Ortvald erstmalig seine Leidenschaft für das Mountainbiking und die fast 4500 km lange Reise im Sommer 2014 wird wohl bislang seine größte Herausforderung sein.

Warum hast Du mit dem Mountainbiking angefangen?

Bevor ich mit dem Mountainbiking angefangen habe, habe ich bis zu 40 Zigaretten am Tag geraucht, sehr viel Kaffee getrunken und bin den ganzen Tag meines Jobs wegen am Computer gesessen. Als ich dann mit Verdacht auf Herzinfarkt ins Krankenhaus kam, wusste ich, dass ich etwas ändern musste. Es war ein Schlüsselerlebnis, welches mir klar und deutlich signalisierte, dass ich meinen bisherigen Lebensstil so nicht weiterführen konnte. Ein guter Freund von mir machte mich dann mit der Materie vertraut und seit jeher kommen wir wöchentlich zusammen, um gemeinsam Mountain-Bike zu fahren. Inzwischen fahre ich täglich mit dem Mountain-Bike.

INPERSON CASPER ORTVALD 01

INPERSON CASPER ORTVALD 02

Wie bist Du auf den „Tour Divide“ gekommen?

Es war vor ungefähr anderthalb Jahren. Der Film „Ride The Divide“, den mir ein Freund zeigte, inspirierte mich. Nachdem meine Ehefrau der Sache zustimmte, fing ich an das Abenteuer zu planen.

Warum hast Du Dich für diese eine Herausforderung entschieden?

Es geht mir dabei um die Verbindung mit der Natur. Ich muss mir keine Sorgen über meine Arbeit machen oder darüber meine Kinder zur Schule zu bringen. Ich muss mir einzig und allein darüber Gedanken machen Essen und Trinken zu besorgen, um durch den Tag zu kommen.

Hast Du schon einmal ein vergleichbares Abenteuer bestritten?

Nein. Ich habe schon kleinere Trips gemacht so, wie jeder andere Mountain-Biker auch. Vor drei bis vier Jahren habe ich angefangen zusammen mit ein paar Freunden „Adventure Races“ zu organisieren. Allerdings mussten bei diesen Adventure Races immer mehrere Leute beteiligt sein, was mich dann letztlich auf den Gedanken brachte längere Fahrradrouten zu suchen, die man eben auch alleine bestreiten kann.

Wie bereitest Du Dich auf den Tour Divide vor?

Die wichtigste Herausforderung ist das mentale Training. Man darf wirklich kein Problem damit haben stundenlang auf einem Fahrrad zu sitzen und trotz jeglicher Umstände einfach nur zu treten. Um sich auf diese mentale Herausforderung vorzubereiten, habe ich versucht bei jeglichem Wetter immer aus dem Haus zu gehen, obgleich es kalt war oder es draußen geregnet hat. Man muss einfach lernen seinen inneren Schweinehund zu überwinden. Mental bin ich bereit und fühle mich auf den Trip vorbereitet.

Körperlich gesehen muss ich allerdings noch an Gewicht zulegen, indem ich viel Speck und Sahne esse. Fahrradfahrer, die die Route bereits bestritten, aßen teils 7000 bis 10 000 kcal am Tag und verloren nichtsdestotrotz an Körpergewicht. Ich kann es mir nicht leisten 10 kg abzunehmen. Allerdings ist es auch extrem wichtig körperlich fit zu sein. Ein Freund von mir namens Morten Jensen hat mir bereits einen Plan erstellt, der mir neben einem wöchentlichen Trainingspensum von ca. 25 Stunden auch viel Gemüse und Proteine vorschreibt, um in Form zu kommen. Außerdem trainiere ich meine Knie, indem ich auf meinem Fahrrad stundenlang in die Pedale trete und viele Stufen immer wieder hoch und runter steige. Fahrrad fahre ich täglich zwei Stunden und zusätzlich drei bis vier Stunden jeweils drei Mal in der Woche.

Wo wir gerade von Vorbereitungen sprechen, wovor hast Du am meisten Angst auf Deiner Reise?

Bären! Da ich in Dänemark lebe, bin ich nicht gerade mit der Wildnis vertraut. Außerdem sorge ich mich etwas um meine psychologische Verfassung. So lange alleine in der Natur zu sein ist sicherlich eine Herausforderung für den Geist. Aber natürlich werde ich auch meine Familie vermissen und vor allem meinen zwei Jahre alten Sohn, da ich mir vorgenommen habe jeglichen Kontakt zur Außenwelt abzubrechen oder zumindest so gering wie möglich zu halten.

INPERSON CASPER ORTVALD 03

INPERSON CASPER ORTVALD 04

Wie wirst Du Dich selbst versorgen?

Ich werde mir Essen in den Städten besorgen, an denen ich während meines Trips vorbeiziehe. Diese Städte werden weitestgehend wohl eher klein sein, also müssen mir lokale Cafés und Geschäfte genügen. Außerdem hoffe ich ein paar nette Leute kennenzulernen, die mich bei sich aufnehmen oder mich in ihrer Garage schlafen lassen. Ich habe schon viel über die amerikanische Gastfreundschaft und Großzügigkeit gegenüber Besuchern gehört.

Wirst Du die Reise alleine bestreiten?

Tatsächlich werde ich von einem guten Freund begleitet. Allerdings treten wir die Reise nicht komplett gemeinsam an, da wir uns höchst wahrscheinlich gegenseitig nur zurückhalten würden. An einem Tag bin ich vielleicht besser in Form und schneller und am Tag darauf vielleicht er. Es ist am besten, wenn wir den Trip gemeinsam beginnen, aber die Strecke dann nach und nach unabhängig von einander weiterfahren.

Was wirst Du auf Deiner Reise mit Dir führen und was wird der wichtigste Gegenstand Deiner Ausstattung sein?

So ziemlich alles und nichts. Ich werde nur sehr wenige Gegenstände auf meiner Reise mit mir führen. Ich werde in jedem Fall passende Kleidung benötigen, da Temperaturschwankungen von 0°C bis +40°C zu erwarten sind. Zudem werde ich ein paar wichtige Sachen für mein Fahrrad mitnehmen. Natürlich werde ich auch einen Schlafsack und ein Zelt brauchen, was mir helfen wird die Moskitos, Schlangen und Spinnen fern zu halten. Ich werde versuchen alles in einer großen Tasche auf meinem Fahrrad zu befördern, sodass ich keine Last auf meinem Rücken zu tragen habe. Somit würde der wichtigste Gegenstand meiner Ausstattung wohl die große Tasche sein und wahrscheinlich auch ein Taschenmesser.

Wie wirst Du Dich selbst versorgen?

Ich werde mir Essen in den Städten besorgen, an denen ich während meines Trips vorbeiziehe. Diese Städte werden weitestgehend wohl eher klein sein, also müssen mir lokale Cafés und Geschäfte genügen. Außerdem hoffe ich ein paar nette Leute kennenzulernen, die mich bei sich aufnehmen oder mich in ihrer Garage schlafen lassen. Ich habe schon viel über die amerikanische Gastfreundschaft und Großzügigkeit gegenüber Besuchern gehört.

INPERSON CASPER ORTVALD 05

INPERSON CASPER ORTVALD 06

Hast Du Dir ein bestimmtes Ziel gesetzt?

Ja - Ich möchte die 4500 km der Strecke auf meine Fahrrad in 25 Tagen schaffen. Dabei wird es entscheidend sein die erste Woche zu meistern, weil danach der Rest des Trips etwas einfacher wird. Ich werde dann versuchen jede Stunde eine zweiminütige Pause einzulegen, anstatt alle drei Stunden 20 Minuten lang zu pausieren. Somit erholt sich mein Körper nicht zu sehr und es wird leichter für mich sein wieder aufs Fahrrad zu steigen und weiterzumachen.

Gibt es schon Pläne für weitere Abenteuer nach der Great Divide Mountain Bike Route?

Momentan nicht. Aber wenn Du mich nach meinem Abenteuer nochmal fragst, werde ich wahrscheinlich etwas anderes sagen. Mir wurde bereits von anderen Mountain-Bikern mitgeteilt, dass man wohl direkt nach der Reise schon wieder den nächsten Trip planen wird. Allerdings sehe ich derzeit keine weiteren Abenteuer nach dem Tour Divide. Nichtsdestotrotz hoffe ich sehr, dass diese Reise eine einmalige Erfahrung wird, die ich niemals vergessen werde.

Wir werden Casper im Sommer nochmals treffen, um mit ihm über seine Erfahrungen während der Tour sprechen.