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#JOURNEY - WESTERN SAHARA, 1.TEIL

Interview SvenHenkes Sahara 1

Es war noch dunkel, als wir an einem Freitag morgen das Haus verließen, um Sven Henkes in Madrid zu treffen. Wir hatten Sven bereits nach seiner Teilnahme am wohl kältesten Marathon der Welt - dem Polar Bear Marathon in Churchill, Kanada - interviewt. Damals war er die bis zu minus 41 Grad Celsius durch das Eis Kanadas gelaufen. Diesmal sollte es in eine vollkommen andere Umgebung gehen. „Kommt doch mit in die West Sahara, ich laufe dort den Sahara Marathon und lebe eine Woche bei einer Familie der Saharauis. Neben dem Marathon geht es darum, die Lebensumstände in deren Flüchtlingslager kennenzulernen und die Familien etwas zu unterstützen.“ hatte er am Telefon gesagt.

Als wir in Madrid ankamen wartete Sven bereits auf uns. Da wir noch etwas Zeit hatten, bis unser Anschlussflug nach Tindouf abflog, beschlossen wir noch einmal in die Stadt zu fahren und mit Sven über seine Motivation, seine Marathon-Vorbereitung und seine Erwartungen zu sprechen.

Sven, vor nicht all zu langer Zeit bist Du noch in der Kälte Kanadas gelaufen, warum hast Du Dich jetzt für den Sahara Marathon entschieden?

Seit ich das Laufen angefangen habe, bin ich schon einige Straßenmarathons gelaufen. Nachdem ich dann im Herbst vergangenen Jahres in Berlin mein persönliches Ziel von unter 3 Std. erreicht hatte, musste irgendwie etwas anderes her. Damals habe ich mich für den Polar Bear Marathon entschieden. Heute kann ich sagen, dass mir diese Art von Rennen - außergewöhnlich, aber immer noch in einer kontrollierbaren Umgebung - ans Herz gewachsen sind. Dazu kam, dass mir einige der Läufer in Churchill von Wüsten-Läufen erzählten und ich sofort dachte, dass das auch etwas für mich sein könnte. Kurze Zeit später planten wir dann schon unsere Teilnahme an einem 7-Tages Ultramarathon in der Wüste für 2015.

Der Sahara Marathon schien mir also eine gute Vorbereitung zu sein, außerdem mochte ich den Aspekt, mit der Teilnahme auch direkt etwas für die Menschen vor Ort tun zu können.

Du wirst während des Marathons auch eine Woche bei einer Familie im Flüchtlingslager leben. Welche Erwartungen hast Du?

Bevor mir das richtig bewusst wurde, hatte ich eher das Bild von Lagerfeuer-Romantik und beeindruckender Wüstenatmosphäre im Kopf. Erst nachdem ich mich mehr und mehr mit dem Thema beschäftigt habe, ist mir bewusst geworden was mich erwartet. Aber um ehrlich zu sein bin ich der Meinung, dass es der gesamten Veranstaltung nur noch mehr gibt. Wir werden die Möglichkeit haben zu erleben, wie die Menschen dort leben, wie ihre Kultur ist und welchen Aufgaben sie Tag für Tag gegenüber stehen. Mit der Teilnahme an dem Marathon können wir zumindest einen kleinen Beitrag zur Verbesserung ihrer Lebenssituation beitragen und etwas Aufmerksamkeit auf ihre Situation lenken.

Welche Erwartungen hast Du bezüglich des Rennens, was wird Deine größte Herausforderung sein?

Auch wenn ich mich natürlich etwas vorbereitet habe, bin ich nicht ganz sicher was genau mich erwarten wird. Ich vermute, dass die größte Herausforderung der Untergrund sein wird. Hoffentlich ist es nicht wie rennen am Strand, dass wäre mein größter Albtraum. Ich habe mein Equipment im Vorfeld ein paar mal getestet, da ich die genaue Strecke und die Gegebenheiten aber nicht kenne, müssen wir mal schauen. Natürlich wird auch der Temperaturunterschied eine große Rolle spielen. In Berlin war es noch bitter kalt, als ich in den Flieger gestiegen bin. In der West Sahara werden zwischen 25-30 Grad Celsius herrschen. Mal schauen, ich bin vor 5 Jahren einen Ultramarathon in Süd Afrika mit gelaufen, bei dem es ca. 27 Grad waren, allerdings war dieser nicht in der Wüste, sondern auf Asphalt.

Interview SvenHenkes Sahara 2

Interview SvenHenkes Sahara 3

Wie hast Du Dich auf das Rennen vorbereitet?

Das tägliche Training ist mir sehr wichtig. Ich renne meist 6 mal pro Woche und dabei zwischen 70-100 Kilometer wöchentlich, je nach Trainingsphase. Ich achte viel darauf, dass ich meine Trainingseinheiten abwechslungsreich gestalte. Das hat den Vorteil, dass es nicht langweilig wird und durch die Variation von kürzeren, schnelleren Läufen sowie langen Läufen die Muskulatur möglichst vielfältig beansprucht wird. Während der Läufe baue ich dann gern auch mal Intervall-Trainings, Fahrtspiele etc. mit ein. Eine besondere Vorbereitung auf die Temperaturen hatte ich aufgrund des doch kalten Winters in Berlin leider nicht.

Nachdem Du beim Polar Bear Marathon den 1 Platz gemacht hast, wie sieht Deine Zielsetzung für den Sahara Marathon aus?

Stimmt, der Polar Bear Marathon war ein tolles Ergebnis. Ich hätte nicht damit gerechnet. Diesmal muss man aber berücksichtigen, dass es weitaus mehr Teilnehmer sind und dazu auch viele einheimische Läufer mitmachen, die an die Bedingungen schon gewohnt sind. Die besten Läufer der vergangenen Jahre hatten ein Zielzeiten von ca. 2:40 Std.. Das ist schon sehr gut, ich laufe auf der Straße etwas weniger als 3 Stunden. Es dürfte also schwer werden um den Sieg mit zu laufen, aber eine Platzierung in den Top 10 würde mich sehr freuen.

Nach eine spektakulären oder mehr gefährlichen Taxifahrt zurück zum Flughafen checkten wir ein und lernten erstmals die anderen Teilnehmer kennen. Langsam bewegte sich der ganze Trupp zum Gate, wo unser Flugzeug nach Tindouf, Algerien bereits wartete. Das Kribbeln im Magen stieg bei allen und schon wenige Momente nachdem wir das Flugzeug bestiegen hatten, wurde jedem von uns bewusst, dass dies wohl eine Reise in eine Welt werden würde, die den meisten von uns bisher verborgen blieb.

Unsere Erwartungen sollen in Erfüllung gehen, nachdem wir um Mitternacht auf dem Flughafen von Tindouf landeten...

Fortsetzung folgt schon in einer Woche.